Einige Betrachtungen zur Anlagenelektrik        

                  

Die Anlagenelektrik

  

Mein erlernter Beruf als Elektroniker klingt natürlich zuerst einmal nach D I G I T A L aber das ist bei meiner Modell-GMWE überhaupt nicht mein Ziel. Im Gegenteil. Meine Anlage sollte eine ganz einfache Steuerung erhalten, ohne komplizierte Elektronik auskommen und mit einfachen Mitteln gefahren werden.

 

Zuerst hatte ich ein Stellpult gebaut, welches über ein 25poliges D-SUB-Kabel mit dem Modul verbunden wurde. In dieses Pult baute ich einen Fahrregler ein, wie er von SB-Modellbau vertrieben wurde. Als Elektroniker hatte ich mir diesen allerdings „abgekupfert“ und 1:1 nachgebaut. Ich war anfangs sehr zufrieden damit und kann diesen Regler auch absolut weiterempfehlen. Er arbeitet beim Anfahren mit einer Halbwelle, um das Losbrechmoment der Modellbahngetriebe zu überwinden. Je weiter man den Regler nun aufdreht, wird der Anteil der Halbwelle zu Gunsten einer reinen Gleichspannung immer weiter verringert, bis dieser Anteil schließlich bei vollaufgedrehtem Regler ganz verschwindet und nur noch aus Gleichspannung besteht. Eine gute Idee und sehr einfach gelöst. Ein Vorteil dieses Fahrreglers liegt auf jeden Fall in seiner Eignung für Faulhabermotoren, die eigentlich Glockenankermotoren heißen müssten. Fritz Faulhaber konzipierte 1958 eine eisenlose Rotorspule in Schrägwicklung und erhielt 1965 ein Patent darauf, inzwischen gibt es noch ein paar andere Hersteller dieser Motorenbauart. Wen es interessiert: Das eisenlose Prinzip der Glockenankermotoren ist für uns Modelleisenbahner auch ein kleines Problem, denn diese Motoren haben ein sehr geringes Trägheitsmoment, was bedeutet, dass sie bei jeder Spannungsunterbrechung sofort mit drehen aufhören und neu starten. Das ergibt eine starke mechanische Belastung der Motoren und ist damit der Motorlebensdauer nicht gerade zuträglich. Also, immer die Gleise sauberhalten und für eine gute Stromabnahme sorgen!

 

Tipp: Weiter oben hatte ich erwähnt, dass ich für die Verbindung des Stellpultes mit der Anlage D-SUB-Kabel verwendet hatte. Eigentlich sind diese Kabel mit ihrem geringen Leiterquerschnitt nicht für den Modellbahner geeignet, aber auf Grund ihres günstigen Preises (z.B. bei Reichelt-electronic) einfach unschlagbar. Besonders für die kleineren Nenngrößen bis TT kann ich nichts Nachteiliges zu Spannungsabfällen berichten. Sicher, bei unserer HO-Clubanlage mit einer Länge von 20 Metern und dem Einsatz des Lux-Schienenreinigungszuges wird es an der am weitesten entfernten Stelle etwas dünn mit der Spannung, aber bis jetzt kam der Zug immer über die Runde! Als Alternative können ja auch ein paar Adern parallel geschaltet werden. Für mich als Praktiker gibt es aber noch einen Vorteil: Kurzschlüsse führen nicht zu Zerstörungen von Kontaktfedern derTriebfahrzeuge. Über die (eigentlich zu dünnen) Leitungen fällt im Fehlerfall genügend Spannung ab, so dass nichts zu Schaden kommen kann. Der nach Normen bauende Modellbahner möge es mir nachsehen, aber ich bin wirklich sehr zufrieden mit diesen Kabeln. Ein Hinweis zu dieser Frage soll allerdings noch folgen: im digitalen Fahrbetrieb sollte man solcherart Kabel nicht verwenden. Hier zählt die Devise, darfs auch etwas mehr sein? Spannungsabfälle und Digitalsysteme stehen sowas von auf Kriegsfuß miteinander! Hier also immer genügend große Querschnitte verlegen.

 

Ach so, mein Abschnitt über die Elektrik begann ja mit den Worten: Zuerst…….. 

Nun, inzwischen habe ich einige andere kleine Anlagen gesehen und die hatten alle kein Stellpult im ursprünglichen Sinne. Die Bedienung der Anlage erfolgte direkt vor Ort, also von der Anlagenkante aus. Die Weichen stellte man mit Hebeln von Hand oder mit Schaltern elektrisch und gefahren war man digital, was also keine abschaltbaren Gleise erforderlich machte. Den letztern Punkt wollte und konnte ich nicht verändern, aber die Sache mit den Weichen gefiel mir schon. Deshalb wurde die Anlagenfront nochmals umgebaut und mit diversen Kippschaltern versehen, mit denen jetzt die Steuerung der Weichen, des Fahrstroms und der Beleuchtung vorgenommen werden kann. Auch hatte ich erstmals auf der Messe Modell, Hobby und Spiel in Leipzig einen Fahrregler gesehen, der mir in seiner Funktion sehr entgegenkam. Beim bisherigen Testbetrieb meiner Modellbahn-GMWE hatte ich nämlich festgestellt, dass es aufgrund der unterschiedlichsten Konstruktion der von mir eingesetzten Triebfahrzeuge sehr schwierig, wenn nicht unmöglich war, mit jedem Fahrzeug annähernd langsam genug zu rangieren. Genau dieses Problem umgeht der Fahrregler der Firma  Heisswolf lassen sich damit doch für jedes Triebfahrzeug individuelle Programme erstellen. Das ist schon fast ähnlich einem Digitalsystem, nur die Programmierung wird im Fahrregler und nicht im Triebfahrzeug vorgenommen. Man erstellt praktisch für jedes Modell ein eigenes Programm mit Anfahrspannung, Höchstgeschwindigkeit, Hochfahrzeit, Stoppzeit und Motorcharakteristik, gibt dem Fahrzeug einen Namen und kann dieses Programm immer bei Bedarf wieder abrufen. Zu dem System gehört eine Zentraleinheit und ein Handbediengerät, welches ich über einen Steckverbinder an der Vorderkante der Anlage einstecke und somit direkt am Ort des Geschehens in die Rangierarbeiten im Bahnhof Söllmnitz eingreifen kann.

 

 

 

    

 

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