Zuerst entsteht das Bahnhofsgebäude

Bilder werden noch eingefügt, ich habe leider im Moment wenig Zeit zum fotografieren!

 

Als erstes habe ich mich dann an den Bau des Bahnhofsgebäudes gewagt. Zeichnungen gab es genügend in der Literatur und Bilder waren hier auch einige vorhanden (damals aber leider keine Gesamtansicht).

Die von mir gebauten Gebäude bestehen alle aus 1mm starkem Sperrholz. Mein Verfahren zum Gebäudebau ist nicht neu und schon gar nicht revolutionär, also aufzeichnen der Einzelteile, ausschneiden mit einem Skalpell oder Cuttermesser, passend feilen mit Schlüsselfeilen und anschließend alle Seitenteile mit Hilfe von Holzkaltleim zusammenkleben. Die Dächer werden zuerst aus Pappe zurechtgeschnitten, dann nach den immer erforderlichen Korrekturen auf Sperrholz übertragen und ebenfalls mit einem scharfen Messer ausgeschnitten. Nun stand der Bahnhof im Rohbau vor mir. Es folgten jetzt 4 wichtige und nicht ganz alltägliche Arbeitsschritte.

Erstens: die Ziegelwände, teils mit Fachwerk. Meine Ziegel werden alle per Hand geritzt. Das geschieht folgendermaßen: Alle Wände werden mit verdünntem Holzkaltleim als Haftbrücke gestrichen. Aus Modellbaugips, angemischt mit Holzkaltleim und wenig Wasser sowie grau eingefärbt entsteht eine Putzmasse. Diese trage ich mit einem feinen Pinsel oder einer Spachtel auf die Wände auf und lasse alles schön trocknen. Wenn alles durchgetrocknet ist, folgt die Farbgebung in Ziegelfarbe. Nicht zu gleichmäßig, immer etwas in Farbschattierungen arbeiten. Nun wieder trocknen lassen und dann mit viel Geduld mit einer spitzen Reißnadel und einem kleinen Lineal als Hilfsmittel die waagerechten Ziegelreihen einritzen. Nur so tief, dass die graue Putzschicht zum Vorschein kommt. Den Ziegelabstand habe ich nicht wirklich gemessen und maßstäblich ist er auch nicht, aber wenn man so etwa bei einem Millimeter Reihenabstand bleibt, sieht das Ganze ziehmlich gut aus, finde ich. Die senkrechten Fugen habe ich dann frei Hand im Verbund eingeritzt. Fensterbögen und Faschen nicht vergessen und schon ist eine Wand fertig. Als ich einige Jahre vorher (ich wohnte noch bei meinen Eltern) das Bahnhofsgebäude von Kleinbrüchter nach der gleichen Methode gestaltete, erklärte mich mein Vater für verrückt. Das konnte ich damals nicht verstehen, aber vielleicht hatte er ja doch recht? Bei den Fachwerkwänden unterscheidet sich das Vorgehen ein wenig. Die Fachwerkbalken schneide ich aus dunkelbraunem, dünnen Furnier und klebe die Streifen einzeln auf die Wände. Die entstehenden Gefache werden anschließend wieder verputzt, gestrichen und geritzt. Nun kann man fragen, warum macht der das so aufwändig? Zuerst einmal, ich versuche, mit Naturmaterial zu bauen. Es darf nicht so clean aussehen, Ungenauigkeiten sind bei mir erlaubt und nicht jeder Ziegel ist genau so groß wie der Andere. Ich finde, die plastische Wirkung muss passen.

Dachziegel selbstgefertigt
Fertige Dachansicht

Zweitens: die Dachziegel. Auch wieder ein komplett anderes Vorgehen als gewöhnlich. Die Dachziegelreihen fertige ich aus Papier mit einem Grammgewicht von ca 100-110g/m² (das ist etwas dicker als normales Druckerpapier). Im Abstand von 1,5mm werden Linien aufgezeichnet, die anschließend mit einem nicht zu scharfen Messer eingeritzt werden (nicht durchschneiden). Anschließend schneide ich das Papier mit einer kleinen Schere zuerst von einer, dann von der anderen Seite kurz ein.

Schneiden der Ziegel
So erfolgt das Einschneiden

Es ergibt sich ein gezacktes Bild, welches aus kurzer Entfernung sehr „dachziegelähnlich“ aussieht. Dann schneide ich 5mm Streifen und klebe sie auf die Dachfläche aus Sperrholz.

Ziegelreihe
Ausgeschnittene Ziegelreihe

Der nächste Streifen folgt um einen halben Ziegel versetzt. Es ergibt sich ein plastisches Aussehen, die vorhandenen Unregelmäßigkeiten verstärken diesen Eindruck noch. Ergänzt wird das Dach dann noch mit Firstziegeln und Dachrinnen von Auhagen, die vor dem Aufkleben zwecks besserer Farbhaftung sorgfältig mit Spülmittelwasser gereinigt werden. Hier ist der Selbstbau nicht notwendig, weil diese Dinge nicht mehr besser dargestellt werden können. Die Farbgebung erfolgt mit Wasserfarben, wobei immer nass in nass mit unterschiedlichen Farbtönen gearbeitet wird. Die Farbe sollte dabei nicht zu dick sein, weil ansonsten die eingeritzte Struktur verloren geht.

 

 

 

Drittens: die Fenster. Bis zum heutigen Tag habe ich drei Varianten ausprobiert. Die erste Idee wurde beim Bahnhof angewendet. Es war eine Fertigung in einem Copyshop. Mit Hilfe eines Zeichenprogramms (bei mir Corel Draw) zeichnete ich eine vektororientierte Zeichnung aller Fenster. Die Datei ging zum Dienstleister und er schnitt sie mit einem Schneidplotter aus. Mit Hilfe von Trägerfolie und Hilfsfolie konnte dann jedes Fenster einzeln auf durchsichtige Fensterfolie aufgeklebt und hinter der Fassade angebracht werden. Sah gut aus, war aber recht teuer.

Beim zweiten Haus versuchte ich eine ganz einfache Art! Zuerst wird ein Blatt Papier hinter die Fensteröffnung gehalten und von vorn die Umrisse nachgezeichnet. Jetzt wird dieses Blatt mit Klebeband hinter eine durchsichtige Folie (Verpackungen eignen sich gut) geklebt. Die Fensterrahmen selbst bestehen aus selbstklebendem Papier (erhältlich im Copyschop), das bei Bedarf noch eingefärbt werden kann, denn z.B. grüne Fenster gibt’s ja auch. Das Papier kann mit einem Cuttermesser bis zur Trägerschicht in Streifen entsprechend den Sprossenstärken eingeschnitten werden. Diese Streifen lassen sich, nachdem sie von der Trägerschicht abgenommen wurden nun ganz leicht von vorn auf die Folie kleben und so entsteht Stück für Stück ein Fenster. Nach meinen Erfahrungen kann man die Streifen auch kreuzen lassen. Man sieht es wirklich nur aus nächster Nähe. Nachdem dann der letzte Streifen aufgeklebt wurde, entfernt man die Papierschablone und klebt das Folienteil hinter die Fensteröffnung. Kostet fast nichts, sah aber nicht ganz so gut aus und dauerte lange.

Die dritte Variante beschreibe ich etwas weiter unten.

Viertens: die Inneneinrichtung. Schon recht bald stand für mich fest, dass ich den Großteil der zu bauenden Gebäude mit einer Inneneinrichtung versehen musste, weil ich unbedingt eine realistische Beleuchtung realisieren wollte. Im Bahnhof kamen dabei noch Glühlampen zum Einsatz, nur für den Modellfernseher in der guten Stube verwendete ich bereits eine (blaue) Leuchtdiode. Die zuletzt gebauten Wohnhäuser sind nur noch mit LED ausgestattet. Jedes Haus hat maximal 5 Lichtquellen, bedingt durch die von mir gewählte Ansteuerung der Kanäle. Dafür verwende ich den bei conrad-electronic erhältlichen TAMS-Bausatz „Belebtes Haus“. Tipp: Wenn man die wenigen Bauelemente selbst auf die Platine lötet, kostet dieser nur 9,95 EUR. Als Fertigprodukt sind 14,95 EUR einzuplanen. Es läuft zwar ein fest vorgegebenes Programm ab, aber bei einer Programmdauer von etwa 15 Minuten kann man das kaum erkennen. Die Inneneinrichtung selbst besteht aus Resten der sicher bei jedem Modellbauer zu findenden Bastelkiste. Ein Stuhl, ein Tisch von der Gartenterrasse, ein Schrank aus einer Holzleiste und ein Bild kann man an die Wand kleben. Die Türen deute ich meist nur an, sie werden nur aufgemalt. Mehr Aufwand betreibe ich nicht, denn wirklich sehen kann man das Ganze nicht. Trotzdem hat es am Ende eine gute plastische Wirkung, die durch eine am Fenster stehende Figur noch verstärkt werden kann. Das Einbauen einer Inneneinrichtung hat aber auch einen Nachteil. Wenn man die Fenster jetzt noch mit Gardinen versehen möchte, sieht man die gesamte Arbeit überhaupt nicht mehr. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, keine Gardinen oder Vorhänge anzubringen. 

 

Die anderen Gebäude werden gebaut

 

Als zweites Gebäude baute ich dann die ehemalige Bäckerei. Hier konnte ich nur auf eigene Aufnahmen und ein altes Foto im Transpress-Buch zurückgreifen. Trotzdem ist mir auch dieses Gebäude recht gut gelungen, vor allem das Dach war eine Herausforderung für meine Basteltätigkeit, aber mit der von mir schon beschriebenen Pappmustermethode kam ich auch hier zum Ziel. Die Wände wurden wieder mit dem Gips, - Leim, - Wassergemisch verputzt und anschließend farblich behandelt. Hier werde ich allerdings noch einmal Hand anlegen, denn das Gelb ist mit doch wesentlich zu auffällig und zu sauber.

Als nächstes entstanden die beiden Schuppen neben dem Bahnhofsgebäude. Alte Bilder dienten dem Nachbau und um die Größenverhältnisse einigermaßen zu treffen, stellte ich ein paar Überlegungen und Proportionalrechnungen an. Ich denke, hier habe ich das richtige Maß gefunden

Das Wasserhaus des Bahnhofs sollte natürlich ebenfalls entstehen. Ein befreundeter Modellbahner des MEC Elstertal Gera stellte mir ein aus Papier gebautes Modell zur Maßabnahme zur Verfügung. Denn gerade davon gibt es recht wenige Fotos und auch eine Zeichnung konnte ich nicht auftreiben. Vielen Dank dafür nochmals an Andreas! Dieses Gebäude hat wieder eine ausgemauerte Fachwerkkonstruktion und so hieß es wieder einmal gipsen, streichen, ritzen. Die Dachpappenbahnen bestehen, das ist aber auch nicht so neu, aus in Streifen geschnittenem Krepp-Toilettenpapier. Hier das Ergebnis: 

Alle weiteren Gebäude entstanden in den nächsten Jahren und inzwischen sind sämtliche relevanten Bauwerke im Bahnhofsumfeld fertig gebaut. Das Wohnhaus direkt gegenüber des Bahnhofs wurde von mir nach einem alten Foto von Herrn Tretner gebaut. Tipp: Hier habe ich beim Nachbau auf die noch feuchte Fassadenfarbe feinen Sicherungssand (aus den alten Porzellansicherungen der Hausverteilungen) gestreut und damit die Putzoberfläche nachgebildet. Das zuletzt gebaute Wohnhaus am Kulissenrand ist als Teilrelief ausgeführt und besitzt auch wieder die selbstgeschnittenen Dachziegel. Bei den Fenstern beschritt ich den dritten Weg der Herstellung. Inzwischen hat sich meine Bastelfamilie selbst einen kleinen A4- Schneidplotter zugelegt. Unserer ist von der Firma CraftRobo und leistet uns gute Dienste. Meine Lebensgefährtin gestaltet mit seiner Hilfe Karten, Schriften und sonstige Bastelsachen und ich schneide damit Fensterrahmen oder auch einmal die Gebäudebeschriftung für einen befreundeten Modelleisenbahner. Bei meinen Fenstern nutze ich selbstklebendes A4-Papier aus dem Copyshop, welches es matt oder glänzend gibt. Mit Hilfe eines in der Software des Plotters integrierten Zeichnungsprogramms zeichne ich zuerst die Fensterrahmen mit den unterschiedlichen Stärken und lasse dann das Gerät seine Arbeit machen. So sind in fünf Minuten alle Fenster des Gebäudes bis zur Klebeschicht mit dem Plotter eingeschnitten, können dann einfach komplett von der Klebeschicht abgelöst und auf die durchsichtige Fensterfolie aufgeklebt werden. Rationeller geht es eigentlich nicht mehr und auch das Ergebnis kann sich, meines Erachtens nach, sehen lassen! Benötigt man farbige Fensterrahmen ist das ebenfalls kein Problem. Zuerst einmal gibt es im Baumarkt oder Bastelladen bunte Klebefolien als Rolle bzw. Meterware. Die ist allerdings nicht ganz billig. Tipp: Benötigt man nur kleine Stücke, lässt sich das preiswerte weiße Papier aus dem Copyshop aber auch leicht in allen notwendigen Farben einfärben. 

Soweit einige Gedanken zum Gebäudebau. Getreu nach dem Motto „Viele Wege führen nach Rom“ gibt es bestimmt viele weitere Varianten des Häuserbaus, vor allem die Lasercut-Technologie wird in den nächsten Jahren viele Veränderungen bringen, aber ich stehe auf Sperrholz und freue mich immer ganz besonders, wenn wieder ein komplett selbst gebautes Werk den Weg an seinen Bestimmungsort findet.

 

 

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